Der Poet erwacht
Ein Eintrag im »Buch des Lebens« – einer starken Kladde, die Blasius anscheinend unter dem Einflusse seines Hauslehrers Matthiesen begonnen hat – gibt uns wertvolle Aufschlüsse über den ersten poetischen Einfall und Beitrag zum Manstedtischen Haushalt. Bei einer der regelmäßigen Abendunterhaltungen, die der »liebe Vatter« für seine ausgewähltesten Freunde gab, wagte der inzwischen sechzehnjährige Jüngling »die demüthigste Frage / ob nicht seyn möcht / daß mit eim eben verfaßeten Scherzgedicht was selbst zur Ergetzung der versammleten Gemüther beisteuern derfe / und freuet mich über alle Maaßen / wie mir allseyten zugebilligt ward / zu recitirn / was just in vieler Mühe und Plackerey ersonnen / den guten Leut als Erbauung und Heiterniß«.
In voller Länge ist das Gedicht Der Schnitter Todt ißt Abendbrodt in der Kategorie Zerstreutes & Versprengtes zu finden. Hier sei nur gesagt, daß Blasius auf die Anwesenden – darunter wie gewohnt der Pfarrer des örtlichen Kirchspiels und der Ortsvorsteher – eine spektakuläre, wenngleich seinen eigentlichen Absichten zuwiderlaufende Wirkung tat, die er aber, in träumerischer Verkennung der erstarrten Mienen, völlig falsch interpretierte:
»Hätt grad geendiget/wann meyn lieber vatter/voll inbrunßt seufzete und sprach: Sohn/meyn Sohn/warum tätst Du dieß verfassen? Wär denn alls vergebens/was dir hab angedeihen lassen? War offenbaar wie von meyner niedern Reymkunst so betroffen worden/daß selber nunmehro in Reymen sich exprimirte/und meyner freüde über das gehabte erleben nur mühesam herr worden bin. Magister Matthiesen sandt mich darob uff meyne kammer/maaßen über meyn zukünfftiges Wircken sogleich sollt ein Radt gehalten seyn/wie sich für vollwachsende Kinden schicket. War niemalen zuvor glückvoller dann itzo/da die stiegen erklimmete/und mir ein licht aufstekkete und schneuzete/worauf wiederumb mich meynen Entwürffen und Oden zukehrete.«

